Hiphop-Künstler

Die wenigsten Hiphop-Künstler würden sich auch als solche bezeichnen.

Der Titel klingt viel zu brav, als dass sich die oft auf ein hartes Image bedachten Musiker mit ihm schmücken würden. Wer sich in seiner Musik mehr durch Sprechgesang als durch melodischen Singsang ausdrückt, der sieht sich in aller Regel als Rapper oder als so genannten MC. Das Kürzel steht für "Master of Ceremonies" und zeigt zweierlei: Die Wiege des Hip Hop sind die USA (und ihre Ghettos), die vorherrschende Sprache ist Englisch. Zweitens wird erkennbar, dass Bescheidenheit keine Tugend erfolgreicher Hiphop-Künstler ist, denn als "Zeremonienmeister" können sich nur äußerst selbstbewusste Unterhaltungskünstler bezeichnen.

Während Pop-Sänger massenkompatibel und aalglatt, Rocker anrüchig und ein wenig verdorben und Techno-Shouter laut und kurzgeschoren sein müssen, legen Rapper meist Wert auf ihre physische und psychische Härte. Vorkommnisse aus der Vergangenheit dienen dabei als Stoff für die Texte und als Beweis für den beschwerlichen bisherigen Lebensweg des Künstlers. Dealerei, Körperverletzung, Raub oder ein Gefängnisaufenthalt vermögen eine Biographie reif zu machen für die Welt der Hiphop-Künstler. Stellt sich Erfolg ein und fließt infolgedessen Geld, so wird der frische Reichtum gerne über Statutssymbole wie schnelle Autos und schicke Villen nach außen getragen. Die Botschaft lautet: "Ich habe es geschafft, obwohl mir niemand geholfen hat".

Der Hiphop-Künstler schlechthin existiert allerdings nicht. Mittlerweile verfassen nahezu alle Rapper ihre Texte in ihrer Muttersprache. Deutscher Hiphop ist hierzulande sehr beliebt. Dafür zeichnen vor allem die Fantastischen Vier verantwortlich, welche aus ihrer Mittelschicht-Herkunft keinen Hehl machen und textlich keine schwere Kindheit oder eine Drogenkarriere verarbeiten müssen. Der französische Sprechgesang demonstriert dagegen, dass sich auch in einer sanften Sprache heikle Themen von Kriminalität, über sexuellen Missbrauch bis hin zu Drogen von vermeintlich harten Sängern verbreiten lassen.

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